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Historische Kupferverhüttungsanlage eingeweiht

In Düppenweiler ist ein industriekulturelles Zeugnis erster Güte entstanden - Aushängeschild für das Saarland. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich: „Die Gemeinde Beckingen hat ihren Platz im saarländischen Tourismus gefunden."

Historische Kupferverhüttungsanlage eingeweiht

Stolze Schlüsselübergabe: Bürgermeister E. Seger und W. Kockler, 1. Vorsitzender des Vereins „Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur e.V.“. Mit auf dem Foto: Finanzstaatssekretär G. Wack und Th. Ackermann.

DÜPPENWEILER (pp): Mit einem dreitägigen abwechslungsreichen Programm hat die Gemeinde Beckingen die Fertigstellung und Einweihung der historischen Kupferverhüttungsanlage mit den zwei Gebäuden Pochwerk und Kupferschmelze gebührend gefeiert. Hierzu konnte Bürgermeister Erhard Seger neben zahlreichen interessierten Gästen und Ehrengästen langjährige Mitstreiter für das Projekt, die Mitglieder der Vereins „Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur“, Mitglieder des Gemeindrates und der Ortsräte, die beiden Beigeordneten der Gemeinde sowie stellvertretend für die Ortsvorsteher den Ortsvorsteher des Gemeindebezirkes Düppenweiler, Thomas Ackermann, begrüßen. Ganz besonders begrüßte Seger den Finanzstaatssekretär Gerhard Wack, die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, den ersten Kreisbeigeordneten Konrad Pitzius sowie Klaus Hiry vom Landesverband der Berg- und Hüttenarbeiter.
 
Von der erste Stunde bis zur heutigen Anlage – 70 Prozent Zuschüsse und viel Eigenengagement im Ehrenamt
 
Bürgermeister Seger ging in seiner Begrüßung auf die allerersten Anfänge des Ausbaus der alten Kupfergrube zu einem Besucherbergwerk im Jahre 1986 ein und dankte den Männern der ersten Stunde sowie den Mitstreitern für das ganze Projekt bis heute. Ab 1992 mit der Gründung des Fördervereins wurden die ersten Schächte geöffnet. “In den letzten 20 Jahren sind hier gut und gerne 100.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden getätigt worden. Keiner hat damals daran gedacht, was daraus werden würde. Heute ist hier ein industriekulturelles Denkmal ersten Ranges entstanden“ betonte Seger. „Mit dem heutigen Tage ist die Gemeinde Beckingen im Tourismus des Saarlandes angekommen“, erklärte der Verwaltungschef nicht ohne Stolz. Die Gemeinde haben in Sachen Tourismus und Industriekultur ihre Hausaufgaben gemacht. 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde in den letzten Jahren in den Tourismus, in Projekte wie das Kupferbergwerk, dem Umweltbahnhof, in seine Wander- und Radwegeinfrastruktur investiert. Allein 786.523,15 Euro seien an Aufträgen an Firmen in der Gemeinde Beckingen und der Region vergeben worden. Natürlich ging das nicht ohne Zuschüsse und um diese zu erhalten, hatte Bürgermeister Erhard Seger mit seiner Verwaltung sich alle Mühe gegeben. „Ich bin froh dass die Landesregierung diese Initiative hier aufgegriffen und das Projekt mit 70 Prozent Zuschüssen unterstützt hat“, so Seger, der dafür dem Finanzstaatssekretär Gerhard Wack dankte. Ebenso gedankt wurde der Kulturstiftung des Landkreises Merzig-Wadern und der Sparkasse Merzig, die viel Geld investieren, um kulturhistorische Stätten zu erhalten.
 
Wack: „Tourismus wird im Saarland immer wichtiger“- Investitionen in die Zukunft
 
Finanzstaatssekretär Gerhard Wack zeigte sich von dem einzigartigen Industrie-Ensemble stark beeindruckt. „Der Tourismus ist hier im Saarland sehr wichtig geworden. 32.000 Menschen sind inzwischen in der Tourismusbranche beschäftigt. 1,3 Millionen werden im saarländischen Tourismus umgesetzt“, so Wack, der in diesem Zusammenhang auf den Strukturwandel hinwies. Gerne habe die Landesregierung die Gemeinde Beckingen unterstützt. „Dieses sind Investitionen in die Zukunft des Saarlandes und nicht nur temporäre
Unterstützung für das Handwerk“, so Wack, der weitere finanzielle Hilfe in Aussicht stellte.
 
Landrätin Schlegel-Friedrich: „Gemeinde Beckingen hat ihren Platz im saarländischen Tourismus gefunden und geht mit mutigen Entscheidungen beispielhaft voran“
 
Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich sprach von einer phänomenalen Entwicklung und lobte die Politik der Gemeinde. „Die Gemeindeverwaltung ist der Motor für diese Entwickung. Erhard Seger hat viel dafür getan, um an die Zuschüsse zu kommen“, lobte die Landrätin, die von einem enormen Kraftakt sprach und dafür allen dankte. „Die Gemeinde Beckingen hat ihren Platz im Tourismus des Landkreises und im saarländischen Tourismus gefunden und geht mit mutigen Entscheidungen beispielhaft voran“, so die Landrätin. „Das Kupferbergwerk, der Umweltbahnhof, der Saargarten, dies alles sind Plätze, an denen man die Dynamik in der Gemeinde spürt, und dafür möchte ich allen danken, erklärte sie und wies nebenbei auf die Übernachtungszahlen im Landkreis Merzig-Wadern hin mit 550.000 Übernachtungen pro Jahr.
 
Kockler: „Traditionelles Bergwerk kann wichtigen Beitrag zum saarländischen Tourismus leisten“
 
Thomas Ackermann, Ortsvorsteher von Düppenweiler, betonte, dass der Ortsrat alle Entscheidungen das Kupferbergwerk betreffend mitgetragen habe. „Der Verein Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur“ hat einen Riesenanteil an dieser Entwicklung“, hob Ackermann hervor und dankte stellvertretend für die Vereinsmitglieder dem ersten Vorsitzenden des Vereins, Werner Kockler. Kockler hatte die Vertreter der Dillinger Hütte begrüßt und hielt eine Rückschau auf die Entwicklung des Ausbaus des Besucherbergwerkes bis zur heutigen Anlage. In Richtung der Kritiker des Projektes sagte er: „Das Bergwerk ist nicht in Vergessenheit geraten. Es ist ein traditionelles Besucherbergwerk entstanden, das in seiner Art deutschlandweit einmalig ist. Wir haben hier nicht Disneyland gebaut. Alles, was jetzt da ist, hat es auch alles schon einmal hier gegeben, wenn auch nicht zeitgleich“, so Kockler. Aus alten Urkunden und Rissen wisse man, dass es in Düppenweiler sowohl eine kleine Schmelzhütte als auch ein Pochwerk gegeben habe. Kockler wies darauf hin, das 2012 der Bergbau im Saarland zu Ende gehe. Man habe sich an anderen Montanregionen orientiert und geschaut, was da passiert. „Das Besucherbergwerk kann einen wichtigen Beitrag zum saarländischen Tourismus leisten. Wir können hier Montanwesen, Bergbau und Hüttenwesen durchführen und Interesse an alter Technik wecken“, erklärte Kockler. Jetzt müsse man das Ganze mit Leben füllen. So ist an eine kulturelle Bespielung des Geländes gedacht und zweimal jährlich sollen Schmelzertage stattfinden, an denen die alte Technik der Erzgewinnung den Besuchern vorgeführt wird. „Auch junge Menschen sollen hier hin kommen, alte Technik entdecken und so vielleicht Interesse an einem technischen Beruf finden“, so Kockler. Nachdem Architekt Günter Britz die Planungen vorgestellet hatte, überreichte er den Schlüssel für die neuen Gebäude an Erhard Seger. Der gab den Schlüssel an Werner Kockler weiter. Die Einsegnung der neuen Kupferverhüttungsanlage nahm Pater Siegfried Elbert vor. Kockler konnte sich außerdem über einen Wappenteller des Landesverbandes der Berg- und Hüttenarbeiter freuen, den Klaus Hiry ihm überreichte.
 
Komplette Erz-Gewinnung unter Tage und die weitere Verarbeitung über Tage kann gezeigt werden
 
Mit der Fertigstellung der neuen Anlagen, der Schmelzhütte und dem Pochwerk ist am Kupferbergwerk ein Ensemble entstanden, in dem man den Besuchern den kompletten Vorgang von der Erzgewinnung unter Tage bis hin zur weiteren Verarbeitung des Erzes nach seiner Förderung in einem Bergwerk des 18. Jahrhunderts vorführen kann. In einem Pochwerk wurden früher die geförderten Kupfererze mit dem anhängenden tauben Gestein durch schwere Pochstempel zertrümmert, zu Sandkorngröße zerkleinert und das aufbereitete Kupfererz später in einer Kupferschmelze verhüttet. Die beiden neuen Gebäude sind nach historischen Vorbildern gebaut und mit Wasserrädern, Antriebswellen, Zahnkränzen und Getrieben ausgestattet. Das für die Wasserräder benötigte Aufschlagwasser liefert ein eigens dafür angelegter Teich.
 
 
Aufführung der NachtZeitReise – Zeitreise der Extra-Klasse
250 Akteure wirkten mit
 
Vor den beiden neuen Gebäuden wurden 18 wichtige Ereignisse der Geschichte Düppenweilers dargestellt. Mit 250 Akteuren auf der Bühne vor den neuen Gebäuden, moderner Licht- und Tonechnik sowie weiteren Effekten, erlebten die Gäste dabei eine ganz außergewöhnliche nächtliche Show, eine Zeitreise der Extra-Klasse. Fast alle Vereine wirkten dabei mit, wie schon bei der ersten NachtZeitReise im Jahre 2002, die anlässlich der 950 Jahr-Feier von Düppenweiler als großer Festumzug aufgeführte worden war. Einzelne Stationen dieser Zeitreise, die bei den Gästen bestens ankam waren die Entstehung des Litermonts, die Herstellung und der Vertrieb keltischer Eisenbarren, römische Händler auf der Römerstraße, die erste urkundliche Erwähnung, des Ortes „Wilre“, die Prämonstratenser Mönche der Abtei Wadgassen und ihre Rechte im Ort, die mittelalterliche Töpferei im alten Dorf, das Pestkreuz zu Düppenweiler, der Hexenprozess und die Hinrichtung der Katharina Pütz, die Zerstörung des alten Dorfes, der Kupfererzbergbau und Herren von Hagen zur Motte, die Maldix-Sage, die Franzosen und Österreicher an der Bender’schen Schanze, das Revolutionsjahr 1848, der Arbeitsdienst und Westwallbau, Kriegsereignisse des Zweiten Weltkrieges, Schule und Unterricht in der Nachkriegszeit, das Heimkehrerkreuz auf dem Wehlenberg, Joho und die Abstimmung 1955 und zum Abschluss Düppenweiler in der Gegenwart.
Mit viel Engagement und Gemeinschaftssinn demonstrierten die Akteure, wobei Bürgermeister Erhard Seger hier, von den meisten wohl unerkannte, ebenfalls mitagierte, Traditions- und Geschichtsbewusstsein. Die Nachzeitreise gipfelte in einem grandiosen Finale aller Akteure auf der Bühne vor einer genial ausgefeilten Illumination der neuen historischen Kulisse, für die wie bei Blech im Bruch, Michael Kiefer verantwortlich zeichnete.
 
Bergmännischer Nachmittag – Wasserkraft bestaunen
 
Zum Ausklang der dreitägigen Festivitäten stand der Sonntagnachmittag ganz im Zeichen von „Bergbau und Hüttenwesen“. Der bergmännische Nachmittag bot mit seinem musikalischen Unterhaltungsprogramm und kostenlosen Führungen durch das Bergwerk unter Tage und der neuen Anlagen mit technischen Vorführungen sowie einer Schatzsuche an der verwunschenen Mühle für Kinder ein interessantes und lehrreiches Programm für die großen und kleinen Gäste. Staunen darüber, wie viel Kraft Wasser haben kann, wie sich Wasserräder, schwere Antriebswellen, Zahnräder bewegen und dabei schwere Pochstempel in Gang setzen, die dann Steine zertrümmern, so eindrucksvoll hatten sich die meisten die Technik vergangener Zeiten wohl doch nicht vorgestellt. Lautes Pochen der Pochstempel beim Zertrümmern von Gestein und das Rauschen und Plätschern aus Richtung der sich drehenden Wasserräder lockte immer mehr Neugierige in die neue Attraktion des Besucherbergwerkes, die voll funktionsfähige Kupferverhüttungsanlage. Mit den bisherigen Anlagen wie rund 600 Meter begehbarer Stollen mit „unterirdischem See“ und „Dom“, umfangreichen Außenanlagen, Huthaus, Barbarakapelle, bergmännischer Pyramide, Schachaufbauten, Fundament einer Dampfmaschine, einer modernen Führung unter Tage mit der Licht- und Toninstallation „Mystallica“, einladender Gastronomie im Huthaus, kann die Gemeinde ein ganz außergewöhnliches Ensemble eines frühneuzeitlichen Bergwerkes wie es nicht nur in Südwestdeutschland einmalig ist, in den Tourismus des Landkreises Merzig-Wadern und des Saarlandes einbringen. Gerade vor dem nahen Ende des saarländischen Bergbaus im Jahre 2012 eine Pfunde, mit der die Gemeinde Beckingen in Zukunft glänzen kann – und das nicht nur für sich selbst, sondern als Aushängeschild für das ganze Saarland.pp
 
Fotos pp
 
Eröffnungsfeierlichkeiten
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Architekt Günther Britz überreicht den Schlüssel für die neuen Gebäude an Bürgermeister Erhard Seger.
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Finanzstaatssekretär Gerhard Wack setzt mit einem Schalter die komplizierte Technik in Gang.
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Zahlreiche Gäste bestaunten am Tag der Einweihung die Maschinerie der neuen Anlagen.
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Die schweren Pochstempel zertrümmern, von Wasserkraft angetrieben, das Gestein.
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Impressionenen der NachtZeitReise 2010
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