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Oranna Kasper kommt ihrem Idol Edith Piaf immer näher

Das Leben der Piaf voller Höhen und Tiefen mit all seiner Tragik wurde lebendig - Oranna Kasper sang und spielte Lieder und Szenen aus dem Leben von Edith Piaf vor begeisterten Zuhörern auf dem Theaterschiff „Maria Helena“, das Anfang September an der Schiffsanlegestelle am Beckinger „SaarGarten“ anlegte.

Oranna Kasper kommt ihrem Idol Edith Piaf immer näher

Eine Legende wird lebendig, wenn Oranna Kasper als Edith Piaf das Leben und die Lieder der berühmten Pariser Chansonnière singt und spielt.

BECKINGEN (pp): Schmal und zierlich, wie ihr Vorbild (Edith Piaf war nur 1,47 m groß), aber dafür mit einer voluminösen Stimme, dem Geheimnis ihrer sensationellen Karriere, ausgestattet, steht Oranna Kasper im schwarzen Kleid, blass, mit ausdrucksstarken dunklen Augen, auf der Bühne. Aus den Lautsprechern erklingt das Chanson vom „Pauvre Jean“, bis heute ein Erkennungslied der Piaf. Doch dann greift Oranna Kasper zum Mikrofon, lässt das Leben und die Lieder von Edith Piaf, ihrem großen Vorbild, wieder aufleben und kommt dabei ihrem Idol immer näher. Klein und zierlich nimmt sie die von ihrer eindrucksvollen Stimme tief beeindruckten Zuhörer dann mit durch ein Leben voller Höhen und Tiefen, in dem Liebe, Alkohol und die Chansons die Hauptrolle spielen. Mit ihren Liedern erwacht die „Seele der Straße“ auf der Bühne des Theaterschiffes. Jean Cocteau hatte über Edith Piaf gesagt: „Sie hat mit der Seele der Straße unsere Häuser durchdrungen“ -  und so ist es auch, denn die Stimme von Edith Piaf stammte von der Straße. In der Gosse als Tochter eines armen Artisten und einer Kaffeehaussängerin 1915 in Paris geboren, wurde sie nach ihrer Geburt von ihrer Mutter verlassen und wuchs bei der Großmutter auf, die nicht gerade zimperlich mit ihr Umging. Mit sieben nimmt ihr Vater sie das erste Mal mit auf Tournee, mit zehn Jahren begann sie auf der Straße zu singen. Edith Piaf wurde stark geprägt vom Alkoholismus ihres Vaters und der Gewalttätigkeit des Milieus, in dem sie aufwuchs. Als 15jährige verlässt sie ihren Vater, zieht als Straßensängerin nach Paris und wird von dem Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt. Er holt sie als Chanteuse in sein Kabarett und gab ihr den Namen, unter dem sie bekannt wurde, „La môme Piaf“, kleiner Spatz. Was dann folgt, ist eine beispiellose Karriere, aber auch ein ausschweifendes Leben, zahlreiche Liebschaften und viele anderen Tragödien und Skandale. Aus der kleinen Sägerin von der Straße aber wird ein Weltstar. Ihre einzige Tochter stirbt im Alter von zwei Jahren an Hirnhautentzündung. Die Piaf zieht mit Simone Berteaut auf Musikveranstaltungen. 1935 nimmt Edith Piaf ihre erste Platte auf. Unter der Förderung von Raymond Asse gelingt ihr in den folgenden Jahren der große Durchbruch. Neben Bühnenauftritten in ganz Europa nimmt sie zahlreiche Schallplatten auf. Während des Zweiten Weltkrieges singt sie in französischen Kriegsgefangenenlagern und verhilft einigen Soldaten zur Flucht. Oranna Kasper nimmt die Gäste auf dem Theaterschiff mit auf eine Reise zu den Stationen des Lebens der Edith Piaf. Zarte Sensibilität wechselt dabei in den Liedern ab mit exzessiver Leidenschaft und diese extremen Gefühle lässt Oranna Kasper auch in den Zwischentexten anklingen. Wichtig war nicht, was die Piaf sang, sondern wie sie es sang und darüber sagt Jean Cocteau: „Jedes mal, wenn sie singt, meint man, sie risse sich endgültig die Seele aus dem Leib“. Oranna Kasper wird dem Original mit Herz, Stimme und Verstand gerecht, kommt an ihr Idol wohl mit 80 Prozent Übereinstimmung heran. Stimmlich und emotional hervorragend nachempfunden, erklangen Chansons wie „La vie en rose“, „Hymne à l’amour“, Sous le ciel de Paris“, “Milord“ und „Non, je regrette rien“. Auch zahlreiche Affären und Liebschaften gehörten zum Leben der Piaf, die Oranna Kasper auch gesanglich nicht unerwähnt lässt. So unterhält die Piaf ein leidenschaftliches Verhältnis zu dem sechs Jahre jüngeren Yves Montand, dessen Karriere sie fördert. Durch den Unfalltod ihrer großen Liebe, des Boxers Marcel Cerdan im Oktober 1949 erleidet sie eine Schock und wird von starken Medikamenten abhängig. Alkoholexzesse, Operationen und unzählige Entziehungskuren folgen. Schlagzeilen machte auch ihre Affäre mit dem populären Radrennfahrer Louis Gérardin. 1952 heiratet sie den französischen Sänger Jacques Pills, von dem sie sich  1956 wieder scheiden lässt. Ende der 1950er Jahre bricht sie auf der Bühne zusammen, es wird eine unheilbare Krebserkrankung festgestellt, doch die Piaf macht weiter und geht auf Tournee. In diese Zeit fällt auch ihre kurze Liebesaffäre mit Georges Moustaki. 1962, nur wenige Jahre nach ihrer Affäre mit Moustaki heiratet sie den zwanzig Jahre jüngeren Sänger Théo Sarapo und verursacht damit den letzten großen Skandal ihres ausschweifenden Lebens. Als der Spatz von Paris im Oktober 1963 stirbt, ist sie längst zur Legende geworden, zu einem Phänomen, dass die ganze Welt faszinierte, eine Legende, die bei den Auftritten mit Oranna Kasper wieder lebendig wird.
Foto: Pitzius