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Gäste beeindruckt von historischer Arbeitsweise

Zweite Schmelzertage am Kupferbergwerk stießen auf reges Interesse - Auch bei den zweiten Schmelzertagen am Historischen Kupferbergwerk Düppenweiler scheute der Verein „Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur“ in Kooperation mit der Gemeinde Beckingen keine Mühen, den großen und kleinen Gästen ein volles Programm bieten zu können.

Gäste beeindruckt von historischer Arbeitsweise

Werner Kockler, der 1. Vorsitzende des Vereins „Historisches Kupferbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur“ führt Besuchergruppen die Funktionsweise des Pochwerkes vor.

DÜPPENWEILER (pp): Schon früh am Samstagmorgen, wie auch am Sonntagmorgen, hatte der 1. Vorsitzende des rührigen Vereins, Werner Kockler, mit Unterstützung von Detlef Woll, Günter Fuchs, Wolfgang Wax und Eva Groß den beiden Schmelzöfen und dem Garofen mächtig eingeheizt. Immer wieder sorgten die großen Blasebälge in der Gebläsehalle für Sauerstoffzufuhr. Schließlich galt es, die Temperatur auf gut 1150 Grad Celsius zu bringen, denn erst ab dieser Temperatur kann Kupfererz schmelzen. Derweil tummelten sich auf dem Außengelände viele Kinder, die an den Mitmachstationen der Erlebnisschmiede Biringer aus Tünsdorf oder beim „Goldwaschen“ selbst Hand anlegen konnten. Da wurde fleißig gehämmert, gehobelt, geschmiedet oder im Waschherd vor dem Pochwerk eifrig nach „Gold“ gesucht. Natürlich war dabei „sich dreckig machen“ erlaubt und wer bei der Suche glücklich war, konnte sein Fundstück abwiegen und sich den Fund per Urkunde bestätigen lassen. Wer bei der Suche glücklos blieb, konnte am Mineralienstand des Vereins aber auch ein „Steinchen“ käuflich erwerben. Zwischendurch versammelten sich immer wieder interessierte Gruppen zunächst am Pochwerk, um einer Vorführung der historischen Maschinerie beizuwohnen. Schreiend rennen Kinder weg, als die mächtigen Wasserräder sich drehen und über die Antriebswellen, Zahnkränze und Getriebe die schweren Pochstempel in Bewegung setzen. Es staubt und pocht recht laut, und das lockt natürlich noch mehr Neugierige an. Werner Kockler erklärt, dass im Pochwerk die geförderten Kupfererze durch die schweren Pochstempel zertrümmert und zu Sandkorngröße zerkleinert wurden. Im Waschherd davor, also da, wo die Kinder gerade mit der „Goldsuche“ beschäftigt sind, haben dann früher die „Erzgribbelerinnen“, das waren „Waschfrauen“ das taube Gestein vom Erz getrennt. Das Erz wurde dann im Röststadel vom Schwefel befreit und dann ging es endlich ab in den Schmelzofen, vor dem inzwischen auch die Besuchergruppe angekommen ist. Angesichts der hier mit Forkel und Stecheisen hantierenden Vereinsmitglieder, ausgestattet mit feuerfesten Handschuhen, Schutzhaube und Schürze, wird den Gästen klar, was das früher für eine schweißtreibende Arbeit war. Werner Kockler wischt sich dann auch mal die Schweißperlen aus dem Gesicht, überprüft die Temperatur der Schmelzöfen und bittet um Geduld. Für den „Abstich“ ist es noch nicht soweit. Ein bisschen Sauerstoff wäre jetzt nicht schlecht, deshalb bittet er die Gruppe in die Gebläsehalle. Wieder wird ein Wasserrad, zur Freude der Kinder draußen, die sich bei dem schwülwarmen Wetter über ein bisschen „Nass“, das anschließend durch den kleinen Wassergraben über das Gelände läuft, freuen, in Gang gesetzt. Jetzt erleben die Gäste, wie Wasserkraft über Antriebswellen, Zahnkränze und Getriebe die drei Blasebälge in Betrieb setzt, die dann Sauerstoff in die Schmelzöfen und den Garofen blasen. Wenig später ist es soweit, der „Abstich“ kann beginnen. Als weitere Gäste stoßen am späten Sonntagmittag Bürgermeister Erhard Seger und der ehemalige Staatssekretär Gerhard Wack dazu, während Eva Gross den Garofen auf Temperatur hält. Früher wurde am Garofen der Sauerstoff aus dem Schwarzkupfer herausgetrennt, um am Ende endlich reines Kupfer zu erhalten. Für die Schmelzertage hat man sich diesmal etwas anderes einfallen lassen. Hier muss der Staatssekretär a.D. Gerhard Wack, heute einige Prüfungen bestehen. Er soll nämlich zum Ehrenschmelzer ernannt werden. Mit Hilfe von Eva Gross gießt er sein erstes historisches Siegel. Die Gruppe applaudiert. Zwei weitere bergmännische Prüfungen stehen allerdings noch an. Nachdem Gerhard Wack, der am Bergwerk bei der Mettenschicht auch schon mal eine Bergpredigt hielt, erfolgreich den „Sprung über das Arschleder“ absolviert hat und auch das „Arschleder schlagen“, das Vereinsmitglied Bernd Müller vornimmt, ertragen hat, wird er von Werner Kockler und Bürgermeister Erhard Seger zum „Ehrenschmelzer“ ernannt. Aus diesem Anlass übereicht Bürgermeister Seger ihm ein Weinpräsent, den neuesten Bürgermeisterwein 2011.
Die letzten Erklärungen zur Arbeitsweise in einem Bergwerk aus dem 18. Jahrhundert macht Werner Kockler, der nach zwei Tagen geduldigem Erklären fast keine Stimme mehr hat, und dann geht es, denn inzwischen ist es in der Erzschmelze unerträglich heiß, wieder hinaus auf das Außengelände. Dort tummeln sich immer noch viele Kinder, ein Bauernmarkt lädt zum Verweilen ein und natürlich hatte der Verein an beiden Tagen auch für das leibliche Wohl großer und kleiner Gäste gesorgt. Musikalisch sorgten der Musikverein MV „Lyra“ Düppenweiler und die Huthausmusikanten für Stimmung und mit weiteren bergmännischen Klängen gingen die zweiten Düppenweiler Schmelzertage zu Ende. Der Verein konnte auch dieses Jahr ein reges Interesse an dem Schaubergwerk, in dem an beiden Tage auch Führungen unter Tage mit der Licht- und Toninstallation „Mystallica“ anboten wurden, registrieren. Der zweitägige Einsatz hat sich voll gelohnt.
 
Fotos: Pitzius
 
 
Bei den Zweiten Düppenweiler Schmelzertagen wurde der ehemalige Staatssekretär Gerhard Wack, nachdem er einige bergmännische Prüfungen erfolgreich absolvierte, zum „Ehrenschmelzer“ ernannt. Hier überreicht Bürgermeister Erhard Seger ihm aus diesem Anlass den neuesten Bürgermeisterwein.
 
Schmieden, Hämmer und mehr, die Erlebnisschmiede Biringer sorgte bei den Kindern für volles Programm.
Staatssekretär a.D. Gerhard Wack beim Gießen seiner ersten Münze am Garofen.
 Die Blasebälge werden bestaunt.
 Eva Gross heizt dem Garofen richtig ein.
  "Mineralien", auch für Kinder ein spannendes Thema.