Abschied vom traditionsreichen Gasthaus Urhahn-Adam in Haustadt
Das traditionsreiche Gasthaus Urhahn-Adam in Haustadt ist nun zwar als solches für immer geschlossen, bleibt aber als das Ortsbild mitprägendes Gebäude mit neuer Nutzung durch die Gemeinde Beckingen erhalten. Über das Immobiliencenter der Kreissparkasse Merzig-Wadern wurde es zum Kauf angeboten. Dort bekundete Bürgermeister Thomas Collmann neben einigen anderen Mitbewerbern das Interesse der Gemeinde und teilte dies auch in einem persönlichen Gespräch der bisherigen Wirtin und Eigentümerin Gertrud Urhahn mit. Diese gab dann lobenswerter Weise der Gemeinde für den angestrebten Zweck den Vorzug und der Kaufvertrag konnte schnell beurkundet werden. Hierüber zeigten sich der Bürgermeister und die Wirtin bei der offiziellen Schlüsselübergabe mit Umtrunk am 9. Dezember erfreut. Mit dabei waren auch MdL Sebastian Schmitt, der zweite Beigeordnete Marvin Bimperling, Ortsvorsteher Klaus Peter Scheuren und sein Stellvertreter Nicolas Adam nebst den weiteren Mitgliedern des Ortsrates sowie Freunde und Verwandte der Wirtin. Auch für den SR wurde das Ereignis mit der Kamera festgehalten. Allen Anwesenden fiel der Abschied nicht leicht, denn an diesem Abend ist eine Ära im Dorfgeschehen zu Ende gegangen. Es gab viele Lobes- und Dankesworte für Gertrud Urhahn, die nach einem häuslichen Unfall am Rosenmontag 2023 gesundheitlich eingeschränkt ist und daher die Gaststätte nicht mehr betreiben kann. Sie lebt jetzt im Pflegeheim Haus Blandine in Düppenweiler. Das ist schade, denn die Wirtschaft mit dem Saal hat eine lange Tradition. Einen Teil der Geschichte hat der Heimatforscher Wolfgang Reget in seinem Buch „Die Einwohner von Haustadt und Honzrath von 1550 – 1899“ festgehalten. So war der aus Mondorf stammende Johann Adam ab 1852 als Nachfolger von Karl Tulipan Pächter der Güter von Villeroy & Boch in Haustadt und Hofmann. Kurze Zeit danach baute er mit seiner Ehefrau Barbara geb. Hild ein Haus für den Betrieb einer Brennerei und Landwirtschaft. Zehn Jahre später wurde in diesem Anwesen eine Gastwirtschaft eröffnet, die in Anlehnung an den Hof, im Volksmund den Namen „Hoff“ bekam. Diese Bezeichnung blieb bis zuletzt im Sprachgebrauch für die Gaststätte Urhahn-Adam üblich. Johann Adam´s Sohn Nikolaus übernahm mit seiner Ehefrau Maria geb. Lellig in den 1870er Jahren die Gastwirtschaft und baute einen Tanzsaal an. Dann errichtete er 1907 neben diesem das jetzige markante Gasthaus mit Saal. Es wurde am 6. Dezember 1907 eröffnet und später von dessen Sohn Konrad Adam und der Ehefrau Gertrud geb. Chasseur übernommen. Während der Zeit des zweiten Weltkriegs war im Saal der Gastwirtschaft eine Kinderverwahranstalt eingerichtet. Später, ein genaues Datum ist nicht bekannt, führte deren Tochter Frieda, die mit dem aus Marpingen stammenden Landwirt Arnold Urhahn verheiratet war, der wie alle Vorfahren der Familie Adam auch Landwirtschaft betrieb, die Gaststätte bis zu ihrem Tode im Jahre 2. April 1987. Tochter Gertrud Urhahn, die 1950 in dem Hause geboren wurde und seit ihrer Kinderzeit im Gaststättenbetrieb mitgeholfen hatte, übernahm dann einen Tag später die Konzession. Ihr vier Jahre älterer Bruder Werner stand ihr bis zu seinem Tod 2010 mit Rat und Tat zur Seite. Gertrud war mit Leib und Seele Gastwirtin. „Ich bin mit der Wirtschaft groß geworden“, sagt sie. Gerne denkt sie an die vielen Veranstaltungen in dem Lokal und dazugehörigen Saal zurück. Unzählige Familienabende, Theateraufführungen, Bunte Abende, Konzerte, Fastnachtsveranstaltungen wie die Blau-Weiße-Nacht, närrische Nachmittage, bei denen sie kurzzeitig die Theke verließ, um in die Bütt zu steigen und andere Veranstaltungen wurden abgehalten. Auch für Familienfeiern wie Hochzeiten, Geburtstag oder das Kaffeetrinken nach Beerdigungen war es die passende Räumlichkeit. Die meisten Vereine hatten hier ihr Stammlokal und trafen sich zu Musik- und Gesangproben, Sitzungen, Versammlungen oder sonstigen Zusammenkünften. Legendär ist auch die Wahlkampfkundgebung von Johannes Hoffmann (Joho) vor der Abstimmung im Jahre 1955. Der Gemeinde- und Ortsrat führte lange Jahre seine Sitzungen durch. Am runden Tisch hatten die Skatspieler, bei denen sie, wenn Not am Mann war, mitmischte, ihren Platz. Die langjährige Wirtin Gertrud Urhahn blickt zurück: „Es war wirklich eine schöne Zeit, die mir viel Spaß gemacht hat. Schade, dass die Wirtschaft nicht mehr ist. Ich vermisse das Dommschwätzen und Gespräche der Männer am Büffet, wobei man aber auch viel Neues aus dem Dorf und der Gemeinde erfahren konnte.“ Sie hatte nie Langeweile und das beste Personal der Welt in der Küche oder als Bedienung. Mit ihren treuen Helferinnen unternahm sie daher jahrelang gemeinsame Reisen. Auch in ihrem neuen Domizil im Haus Blandine hat sie keine Langeweile und fühlt sich gut aufgehoben. Sie gehört dort dem Heimbeirat an. „Ich lese immer noch mit Interesse die Saarbrücker Zeitung, löse gerne Kreuzworträtsel und schaue viel Fernsehen. Ebenso kommen viele Bekannte zu Besuch oder holen mich ab, so dass ich viel raus unter die Leute komme“, sagt sie und betont weiter: „Die jetzige Verabschiedung war sehr schön und hat mir gut gefallen. Ich werde sie in bester Erinnerung behalten.“ Zum Schluss meint Gertrud Urhahn: „So schließt sich der Kreis. Unser Saal war schon mal Kinderverwahrschule und nun wird unser Anwesen wiederum ein Ort für Kinder.“
Fotos:

1) Gasthaus Urhahn-Adam – Außenansicht

2) Bürgermeister Thomas Collmann überreicht der langjährigen Wirtin Gertrud Urhahn einen Blumenstrauß

3) Auch der Ortsrat machte ein Erinnerungsfoto mit Gertrud